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“Lohn und Brot” für mehr Integration

Seit Ende 2015 gehören mehrere Flüchtlinge zum Team der Bäckerei Fahland. Im Winter wurden zunächst zwei Männer in der Produktion eingestellt, im Frühjahr dann zwei weitere Mitarbeiter im Verkauf. Für einen fünften Geflüchteten läuft derzeit das Einstellungsverfahren. Nach vielen positiven und einigen wenigen negativen Erfahrungen möchten wir anderen Unternehmen gerne Mut machen, ähnliche Schritte zu wagen.

Frank Fahlands Wunsch, sein Unternehmen auch für Geflüchtete zu öffnen, wurde schneller als gedacht wahr. Nur wenige Tage nachdem er seinen Mitarbeitern davon erzählt hatte, erreichte uns ein ungewöhnlicher Anruf. In englischer Sprache wurde nach einer Arbeitsstelle gefragt. Branchenerfahrung habe er zwar keine, sei aber sehr motiviert, jede Arbeit anzunehmen, so der junge Mann. Nach einem ersten persönlichen Gespräch war klar: Wir wollten ihn einstellen, auch wenn wir zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung von rechtlichen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen hatten. Sehr hilfreich war an dieser Stelle die Unterstützung des Arbeitgeberservices der Arbeitsagentur Potsdam. Eine darüber versicherte erste Probearbeitszeit, eine Art Praktikum also, konnte organisiert werden. Zudem erhielten wir vielfältige Informationen sowie praktische Hilfestellungen bei allen nötigen Anträgen.

Mehrere Wochen dauerte es, bis der Arbeitsvertrag schließlich geschlossen werden konnte. Unsere Erfahrungen bis dahin waren durchweg positiv, gerne wagten wir daher weitere Versuche. Im Laufe der Zeit mussten wir jedoch auch die wohl größte Schwierigkeit der Einstellungsverfahren Geflüchteter kennenlernen: Es gibt keinerlei verlässliche Angaben, wie lange der Einstellungsprozess dauert. Die Wartezeiten sind in jedem Fall andere. Sehr wichtig war für uns daher die Möglichkeit längerer Praktika über die Arbeitsagentur. So konnten wir potenzielle Mitarbeiter gut kennenlernen und dann entscheiden, ob wir den Aufwand einer Einstellung wagen wollten. Bei erfolgreicher Einstellung erhielten wir zudem finanzielle Unterstützung der Arbeitsagentur – eine gute Entschädigung für den bürokratischen Aufwand der Einstellung sowie den Aufwand der Einarbeitung aufgrund sprachlicher Hürden.

Wer sich diesen Aufwand leisten kann, wird unserer Erfahrung nach mit sehr motivierten Mitarbeitern belohnt. Der Asylbewerber, der in englischer Sprache nach Arbeit gefragt hatte, spricht inzwischen fast fließend Deutsch und ist nicht mehr aus unserem Team wegzudenken.

Gerne möchten wir nun die Möglichkeit nutzen, andere Unternehmen beratend zu unterstützen. So stehen wir beispielsweise im Austausch mit den „Berliner Bio-Bäckern“. Einige Bio-Bäckereien aus diesem losen Zusammenschluss beschäftigen ebenfalls Geflüchtete. Mit unserer Teilnahme am Integrationspreis der Landeshauptstadt Potsdam möchten wir zudem unter dem Motto „Lohn und Brot“ auf die Möglichkeiten der Einstellung Geflüchteter im Handwerk aufmerksam machen.

Sollten Sie Fragen zu unserem Engagement haben, freuen wir uns über Ihre Nachricht an
kontakt@baeckerei-fahland.de